Bereits 420 vor Christus erwähnte der griechische Geschichtsschreiber Herodot den Nordpol. Gut tausend Jahre später versuchte der Italiener Giovanni Caboto, auch John Cabot genannt, vergeblich, die Nordwestpassage zu durchsegeln: Bei seinem zweiten Versuch verscholl er. Darauf folgten vierhundert Jahre, in denen immer wieder grosse Expeditionen die Buchten und Meere und Inseln rund um den Nordpol - allen voran Grönland, Spitzbergen und Franz-Joseph-Land - besuchten. Die Namen der Forscher liest sich wie ein "Who is Who" der Polargeschichte: Cabot, Barents, Hudson, Baffin, Bering, Cook, Bocharoff, Ross, Parry, Franklin, Hall, Payer, Nordenskiöld, Nansen... Viele fanden bei ihren gewagten Versuchen, so weit wie möglich vorzudringen, in den lebensfeindlichen Regionen um den Nordpol den Tod.
1906 gelangte der Amerikaner Robert Edwin Peary, der bereits mehrere grosse Expeditionen in den hohen Norden geleitet und dabei schwere Erfrierungen erlitten hatte, bis 87°6' Nord - ein neuer Rekord. Dann kam Frederick Albert Cook: Der sehr erfahrene Forscher behauptete, 1908 den Nordpol erreicht zu haben, fand aber wenig Glauben, nachdem Peary ihn als Lügner bezeichnet hatte. Peary beanspruchte für sich, 1909 den Nordpol als erster erreicht zu haben - doch auch seine Aussagen wurden angezweifelt: Zu begrenzt waren seine Navigationsmittel, zu schnell gelangte er vom Pol zurück zu seinem Schiff, und keiner seiner Kameraden hatte seine Positionsbestimmungen kontrolliert. In der Tat stellte Knud Rasmussen 1912 fest, dass Pearys Angaben und Kartenskizzen nicht stimmten. Die Geheimnisse, die mit der Geschichte des Nordpols verbunden sind, bewirkten vor allem eines: Sie haben zur Faszination der letzten Breitengrade beigetragen. So sehr, dass heute immer mehr Menschen selbst einmal am nördlichsten Punkt der Erde stehen möchten.
Die Arktis


