Hauptsponsor Gaz de France
Co-Sponsoren Syberg

Emch und Berger

walterMeier

Globotreck



BLOG - ABENTEUER NORDPOL 2007

Alle sind zurück -
ausser Thomas Ulrich

27. April 2007: Aktualisierung von Hans Ambühl

Anfang Woche sind alle Nordpol-Reisenden wohlbehalten in ihre Heimat zurückgekehrt – alle ausser Thomas.  Er blieb gleich in Spitzbergen um die letzten Vorbereitung auf sein nächstes grosses Abenteuer zu treffen. Dabei wird er von seinem aus der Schweiz angereisten Vater Werner untersützt.

Bereits am 1. Mai geht es, zusammen mit dem Norweger Børge Ousland, wieder los: dieses Mal ist der Nordpol aber nicht das Ziel, sondern der Start. Die Route führt die beiden Extremsportler vom Pol zuerst 900 Kilometer auf Ski über das arktische Eis bis zu der nordsibirischen Inselgruppe Franz-Josef-Land. Dort wollen sie sich an die Spuren von Fridtjof Nansen heften und das über rund 350 Kilometer verstreute Archipel auf der Route des legendären norwegischen Polarforschers auf Ski und per Kayak durchqueren.

An der Südspitze der Inselgruppe werden Thomas und Børge dann mit einem Segelschiff abgeholt und zurück nach Norwegen segeln. Auf dieser Website werden wir regelmässig über den Fortschritt der Expedition berichten.

Hans Ambühl, Interlaken



Versöhnlicher Abschluss!

23. April 2007: Aktualisierung von Hans Ambühl

Nach aktuellsten Angaben, verläuft der Rückflug reibungslos und die Abenteurer sollten plangemäss heute um 16.00 Uhr in Zürich landen!

Am Schluss der Reise offenbarte sich die Arktis nochmals von ihrer wunderbarsten Seite - und endlich hatten die Nordpol-Rückkehrer auch ein wenig Glück auf ihrer Seite: Da die Gruppe gestern Sonntag in Spitzbergen noch auf den Rückflug warten musste, war ein Ausflug mit Skidoos angesagt. Nicht nur die grandiose Natur von Spitzbergen war zu bewundern, sondern auch noch eine Eisbärin mit Jungen! (Die Bilder liefern wir in den nächsten Tagen nach.)

Zum Stichwort Fliegen, an dieser Stelle noch eine Anmerkung: eine Reise an den Nordpol gehört sicher nie in die Kategorie Öko-Tourismus. Um die Belastung aber im aktzeptablen Rahmen zu halten, hat die Reisegruppe von Thomas Ulrich die gesamten klimawirksamen Emissionen ihrer Flugreise mit einem Beitrag an www.myclimate.chkompensiert.

Hans Ambühl, Interlaken



In Spitzbergen angekommen!

20. April 2007: Aktualisierung von 16.30 Uhr

Vor ein paar Minuten sind die Abenteurer von Borneo kommend in Spitzbergen gelandet. Für die meisten Gruppen-Mitglieder ist ein Platz im Flugzeug vom Montag bestätigt worden, die restlichen können wir hoffentlich auch noch unterbringen. Voraussichtliche Ankunft in Zürich: Montag, 16.00 Uhr.




Soeben (12.00 Uhr) erhalte ich gute Neuigkeiten von Thomas. Zwei Antonov Jets sind unterwegs nach Borneo und werden die Wartenden mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit heute nach Spitzbergen bringen.

Soweit, so gut: wir arbeiten im Moment am Weiterflug der Gruppe ab Spitzbergen. Das Problem ist nur, dass morgen Samstag keine Flüge ab Longyearbyen geplant sind, derjenige von Sonntag hoffnungslos überbucht ist und selbst wenn sich doch noch Platz finden liesse eine Weiterreise am gleichen Tag nicht garantiert werden kann. Aktuelle Einschätzung: Wahrscheinlichste Ankunft in der Schweiz: Montag Abend.




Gemäss Telefon von Thomas gestern um 23 Uhr, ist die Sicht nach wie vor noch nicht viel besser geworden. Und deshalb steht die Antonov 74 immer noch in Spitzbergen. Für eine Strecke nach Borneo braucht das Flugzeug zweieinhalb Stunden. Also ist inzwischen klar, dass die Gruppe von Thomas den 5 Uhr-Flug in Longyearbyen verpassen wird. Am Samstag sind keine Flüge geplant und folglich wird sich die Rückkehr in die Schweiz auf jeden Fall verzögern!

Sobald wir mehr wissen, werden wir wieder informieren.

Hans Ambühl, Interlaken



Reicht es noch auf den Flug?

19. April 2007: Aktualisierung von Hans Ambühl

Wieder nicht viel Neues auf der Nordpol-Station Borneo. Der Sturm hält unvermindert an, entgegen den Voraussagen der russischen Wetterfrösche, die für heute Flugwetter angesagt hatten. Im Gegensatz dazu lagen unsere eigenen Wetter-Experte von Meteotest richtig und deshalb erhalte ich heute bereits am Morgen einen Anruf von Thomas, der für die Basis eine neue Vorhersage einholen soll!

Generell sieht die Prognose immer noch nicht sehr hoffnungsvoll aus, aber immerhin besteht ab heute Abend eine Chance für einen Flug. Das Zeitfenster reicht bis Morgen Mittag. Aber langsam kommt Nervosität auf: reicht es noch für den Weiterflug ab Spitzbergen, der morgen um 5.00 Uhr abfliegt? Wir werden sehen.

Langsam hält Lagerkoller Einzug. Da sind 'Attraktionen' wie die Eistaucher eine willkommene Bereicherung. Diese Froschmänner tauchen im eisigen Wasser unter der Eisdecke!

Für uns bleibt im Moment nur Daumendrücken!

Hans Ambühl, Interlaken



Warten auf Flugwetter

18. April 2007: Aktualisierung von Hans Ambühl

Auf der Nordpol-Station Borneo präsentiert sich die Situation heute unverändert: Die Crew ist daran, die Start- und Landebahn aus Eis Instand zu stellen. Allerdings brauchen sie dazu auch die Unterstützung des Wetters. Dieses ist aufgrund eines Tiefs relativ stürmisch und leider auch zu warm. Denn die Reparatur der Piste funktioniert folgendermassen: zuerst wird die Fläche mit dem Raupen-Traktor grob planiert. Anschliessend werden mit langen Bohrern zahlreiche Löcher durch die Eisdecke der Bahn gebohrt. Durch das Gewicht der Eismassen wird Meerwasser durch die Löcher hochgedrückt und dieses verteilt sich auf der Fläche. Wenn die Temperaturen kalt genug sind, gefriert das Salzwasser auf der Oberfläche innert Stunden und auf diese Weise werden alle Dellen aufgefüllt. Noch etwas manuelles Feintuning und eine perfekt planierte Landebahn ist fertig!

Thomas Ulrich und seine Truppe vertreiben sich inzwischen die Wartezeit in Borneo mit Jassen, Lesen, Fotografieren, Schlafen und Essen. Daneben gibt es jede Menge internationale Gesprächspartner. Insgesamt befinden sich rund 60 Polar-Reisende in Borneo, darunter auch Mike Horn mit seiner Familie.

Alle sind wohlauf und man ist immer noch guter Dinge im Team. Jeder hofft, dass man den für Freitag Morgen ab Spitzbergen geplanten Rückflug noch erwischt.

Hans Ambühl, Interlaken



Entscheid war richtig!

17. April 2007: Aktualisierung von Hans Ambühl

Gestern hat sich sicherlich der eine oder andere aus der Gruppe die Frage gestellt, ob es nicht vielleicht doch möglich gewesen wäre, den Pol zu Fuss zu erreichen. Bei schönem Wetter zurück auf die Nordpol-Basis Borneo zu fliegen, war schon hart.

Das heutige Bild macht jedoch alle Spekulationen überflüssig. Der von den Meteorologen angekündigte Sturm fegt schon den ganzen Tag über Borneo. Die Helikopter bleiben am Boden.

So wie es ausschaut, wird die Gruppe nicht vor Donnerstag nach Spitzbergen ausfliegen können.

Hans Ambühl, Interlaken



Sisyphus am Nordpol!

16. April 2007: Tagesbericht von Jost von Allmen

Wir haben es nicht aus eigener Kraft geschafft! Wir sind ausgeflogen worden. Es war wirklich knapp. Wir waren bis auf 17 Kilometer am Pol bevor wir während dem Sturm in den letzten Tagen auf 26 Kilometer Distanz vom Pol zurückgedriftet sind.

Wir wussten, dass wir nur heute Montag ein Zeitfenster mit gutem Wetter haben würden. Deshalb sind wir am Sonntag bereits in der Nacht um 23.00 Uhr losmarschiert, trotz starkem Gegenwind und wieder extrem tiefen Temperaturen von minus 30°. Wir haben es mit aller Kraft gegen den Wind probiert, aber es war sehr frustrierend: während wir 3 Kilometer marschierten, sind wir 2 Kilometer zurückgedriftet. Wir mussten einsehen, dass wir bei dieser Sisyphus-Aufgabe nicht bestehen konnten. Am Morgen um 7 Uhr hat Thomas entschieden, den Marsch zum Pol abzubrechen und erneut das Camp aufzustellen. Bei diesen Bedingungen war es unmöglich, den Pol heute zu erreichen.

Wir haben uns nochmal Schlafen gelegt und Thomas hat den Helikopter für unseren Rücktransport angefordert. Dieser hat uns am Montag morgen um 10 Uhr abgeholt. Wir sind vom Helikopter noch die letzten 20 Kilometer zum Pol geflogen worden. Wir waren alle dort, konten aussteigen und Fotos machen. Auf dem Rückflug wurden noch weitere Expeditionen abgeholt. Aufgrund der sehr schlechten Wetterprognosen herrscht hier Aufbruch-Stimmung.

Gesamthaft sind wir zurück geflogen worden auf die Basis Borneo. Hier sind wir in Gruppenzelten sehr gut aufgehoben. Die russische Crew sorgt für unser leibliches Wohl und wir können unsere Blessuren pflegen: Risse in der Haut, kleinere Erfrierungen, Blasen, etc.

Erst jetzt haben wir auch etwas mehr Zeit uns innerhalb der Gruppe zu unterhalten. Während dem Sturm waren wir stets zu dritt in unserem Zelt und obwohl das Nachbarzelt nur zwei Meter nebendran stand, war der Austausch in der Gruppe im Sturm absolut nicht möglich. Das holen wir jetzt nach. Wir haben es gut untereinander – und wir sind froh, dass wir gut zurück gekommen sind.

Die nächsten 3 bis 4 Tage ist schlechtes Wetter angesagt. Da wären unsere Vorräte ausgegangen und deshalb mussten wir uns ausfliegen lassen. Das hat auch super geklappt. Unter der persönlichen Leitung von Viktor Boyarsky lief alles perfekt ab.

Während dem Sturm hat es hier in Borneo die Landepiste zerrissen. Im Moment kann also hier kein Flugzeug starten. Wir sitzen sicher noch 2-3 Tage hier fest. Wir hoffen, dass die Piste möglichst rasch wieder hergestellt werden kann und sind zuversichtlich, dass wir wie geplant unseren Heimflug am Freitag erreichen. Bis dahin geniessen wir die russische Gastfreundschaft "Na Sdarówje!".

Jost von Allmen von der Nordpol-Station Borneo



Ruhetag im Sturm

15. April 2007: Tagesbericht von Jost von Allmen

Wir sitzen leider immer noch im Zelt fest, jetzt schon 48 Stunden. Draussen stürmt es. Das ist relativ mühsam. Es ist wieder etwas kälter geworden. Der Reihe nach muss jeder von uns regelmässig raus und das Zelt von der Schneelast befreien, damit diese das Zelt nicht zusammendrückt. Die Moral ist immer noch gut. Wir haben zwar nicht viel zu tun. Es war etwas mühsam, die Zeit wird langsam lang. Wir haben Bücher gelesen, Musik gehört und über das Leben und die Liebe philosophiert. Wir haben genügend Essen und Brennstoff. Es geht uns gut. Aber langsam wird es Zeit, dass wir endlich wieder raus können.

Der Wind hat gedreht. Deshalb mussten wir gerade den Eingang erneut freischaufeln. Als wir vor 2 Tagen ankamen, waren wir 21 Kilometer vom Nordpol weg. In der Zwischenzeit sind wir einmal bis auf 17 Kilometer an den Pol herangedriftet, sind jetzt aber wieder 23 Kilometer davon entfernt.

Ab Montag soll das Wetter besser werden und wir sind motiviert, wir wollen alle "Gas geben" und den Nordpol endlich erreichen. Wir sind jedenfalls bereit!

Dreissig Meter von unseren Zelten hat sich im Sturm ein Riss im Eis geöffnet. Aber das ist eigentlich positiv, die Spalte dient als Puffer für unser solides Eisstück und wir sind hier sehr sicher.

Ein anderes Problem: in Borneo ist die Landepiste aufgebrochen. Aber das ist das Problem der Russen. Die werden das schon hinkriegen, bis wir dort sind.

Jost von Allmen, fast am Nordpol.



Ruhetag im Sturm

14. April 2007: Tagesbericht von André Lüthi

Der heutige Tag ist ein wenig verrückt. Wir sind zwar 15 Kilometer weitergekommen, sind aber keinen Schritt marschiert! Mit anderen Worten, wir sind sehr stark mit dem Eis gedriftet! Schon am Morgen heult der Wind und leichter Schneefall reduziert die Sicht auf nahezu Null. Deshalb entscheidet sich Thomas, einen Ruhetag einzuschalten.

Unsere Herausforderung besteht also darin, wie sich jeweils drei Männer pro Zelt auf sechs Quadratmetern während 24 Stunden beschäftigen können. Aber es ist eigentlich kein Problem. Neben Schlafen und Lesen - vom norwegischer Krimi bis zum Buch über den Dalai Lama ist alles vertreten - vertreiben wir unsere Zeit ganz unterschiedlich: die einen spielen ein wenig mit der feucht gewordenen Magnum, die anderen trocknen nasse Kleider, und die letzten "nuschen" ein wenig herum. Zwischendrin muss einer raus um das Zelt zu spannen.

Endlich haben wir auch mal Zeit, uns um das Essen zu streiten: wer bekommt den Kartoffelstock und wer muss das Curry essen? Aber das ist wieder eine andere Geschichte!

Ein klein wenig Sorgen bereitet uns noch ein nicht allzu weit entfernter Riss im Eis. Deshalb sind wir immer voll angezogen im Schlafsack (und haben saumässig warm dabei). Aber sonst geht es uns allen gut und die Stimmung ist bestens.

André Lüthi von der "Frozen Beach", noch ca. 21.5 Kilometer vom Nordpol


Nachtrag von Expeditions-Manager Hans Ambühl
Gemäss übereinstimmenden Wetterberichten von SF Meteo und Meteotest befindet sich die Expedition gerade an der Vorderseite eines Tiefs, das den Nordpol überquert. Das bedeutet für Samstag und Sonntag relativ schwierige Bedingungen mit starkem Wind, bis hin zu Sturmstärke. Die Temperaturen sind nur knapp unter dem Gefrierpunkt und die Sicht ist schlecht. Deshalb wird wohl zu dem einen Ruhetag am Samstag noch ein zweiter dazukommen.


Alles Gute zum Geburtstag

13. April 2007: Tagesbericht von Marcel Kaufmann

Am Morgen haben wir rund 1 Stunde schönes Wetter, danach ist das Licht diffus: zum Marschieren ist das eher unangenehm. Aber zwischendrin zeigte sich immer wieder mal die Sonne und verzauberte die Landschaft mit wunderbarem Licht. Wir bleiben aufgrund der gestern gemeldeten Eisbärensichtung alle stets relativ dicht beisammen und Thomas trägt die Magnum griffbereit. Unser Tag ist körperlich wieder recht anstrengend, mit 22 zurückgelegten Kilometern in 9 Stunden.

Erstmals müssen wir am Abend die Zelte bei starkem Wind aufstellen. Das ist nicht so einfach - aber schlussendlich steht unser Camp. Ich freue mich schon auf die letzten 26 Kilometer, die in den nächsten zwei Tagen noch vor uns liegen.

Marcel Kaufmann per Satellitentelefon von 89° 45'N / 89° 40'E


Nachtrag von Expeditions-Manager Hans Ambühl
Marcel Kaufmann feiert heute Freitag Geburtstag und nach Aussagen von Teammitgliedern hat er eine Menge Glückwunsch-SMS' auf das Satelliten-Telefon erhalten über die er sich riesig freut. Marcel hat zur Feier des Tages eine Flasche Prosecco mitgeschleppt, allerdings ist dieser gefroren und muss nun noch aufgetaut werden.


Eisbärin mit Jungen gesichtet!

12. April 2007: Tagesbericht von Markus Büel

Diese Nacht sind wir 3 Kilometer Richtung Pol gedriftet. Um 7 Uhr ist Tagwache. Draussen ist es ganz ruhig. Nach dem Frühstück, das wie immer aus Porridge und Cappuccino besteht, machen wir uns bereit für den Marsch. Vom Aufwachen bis wir losmarschieren können vergehen zweieinhalb Stunden. Es ist heute nur minus 25 Grad kalt. Aber es wird wieder ein harter Tag. Dank dem guten Teamgeist und der perfekten Führung durch Thomas und David ist die Stimmung dennoch top. Wir sind 9 Stunden unterwegs und schaffen trotz einiger Presseis-Zonen und Rinnen die neue Rekord-Distanz von 22 Kilometer. Jetzt sind es noch 47 Kilometer zum Nordpol. Wir können zufrieden sein mit unserer Leistung.

Am Abend erhalten wir per Satelliten-Telefon die Information, dass beim 88 Breitengrad (ca. 150 Kilometer von uns entfernt eine Eisbärin mit zwei Jungen gesichtet worden sei.

Markus Büel per Satellitentelefon von 89°34’ Nord
Den original Tagesbericht als WAV-file anhören


Anmerkung von Expeditions-Manager Hans Ambühl:
Dass Eisbären so nahe zum Nordpol gehen ist eher ungewöhnlich. Dennoch besteht meiner Einschätzung nach keine direkte Gefahr durch die Tiere. Diese sind zwar neugierieg und wenn sie Futter riechen manchmal sogar aufdringlich, aber ernsthafte Zwischenfälle mit Eisbären sind relativ selten. Insbesondere die Grösse der Gruppe könnte eine abschreckende Wirkung haben, solange keiner den kleinen ‚Knut’s’ zu nahe kommt!


Rhythmus gefunden!

11. April 2007: Tagesbericht von Jost von Allmen


In der Nacht sind wir rückwärts gedriftet. Am Morgen ist es noch immer saukalt, aber wenigstens bläst der Wind jetzt aus Süden – das heisst, dass wir ihn jetzt im Rücken haben. Das ist viel angenehmer. Heute treffen wir sehr unterschiedliche Eisbedingungen an, am Anfang und am Schluss super flach und hart, dazwischen sehr schwierige Press-Eis-Zonen und frisch aufgebrochene offene Wasserstellen. Einmal müssen wir die Ski sogar ausziehen und uns richtiggehend einen Weg durch ein Labyrinth von Eisklötzen suchen. Für mich als Fotograf ist die Abwechslung natürlich perfekt!

Im Lauf des Tages geraten wir auch noch in Nebel. Doch gegen Abend reisst dieser wieder auf und auch die Temperaturen steigen auf schon fast angenehme minus 25°! Wir sind 10 Stunden unterwegs und kommen gut voran. Unser Camp liegt jetzt noch rund 70 Kilometer vom Pol.

Die Ausrüstung bewährt sich übrigens super. Ich habe nicht einmal kalte Füsse! Aber man muss immer gut acht geben, dass man feuchte Sachen wieder trocken kriegt bevor sie gefrieren!

Es geht vorwärts und die Stimmung in der Gruppe ist gut.

Jost von Allmen per Satellitentelefon


Faszinierend und lebensfeindlich!

10. April 2007: Tagesbericht von Jost von Allmen


Es ist immer noch sehr kalt (Minus 27°). Die Umgebung ist gleichzeitig unglaublich faszinierend und unheimlich lebensfeindlich! Wir bewegen uns in einer Umwelt, die für uns Menschen das absolute Limit darstellt. Man darf hier keine Fehler machen!

Die Stimmung in unser Team ist gut. Jeder hilft dem Anderen und wir beobachten uns ständig gegenseitig, um Anzeichen von Erfrierungen in Gesicht sofort zu erkennen und mit Fettsalbe abzudecken. Die Hände und Füsse können wir ausserhalb des Schlafsacks nur durch körperliche Aktivität warm halten.

Heute sind wir mehr als 8 Stunden marschiert. Wir befinden uns in einer Eiswüste, aber es ist nie langweilig. Mehrmals müssen wir kleine Umwege machen, um frische Bruchstellen im Eis zu umgehen. Der Eiskalte Wind kommt von Norden und bläst uns voll ins Gesicht. Sonst ist das Wetter eigentlich gut, die Sonne scheint rund um die Uhr. Wir sind jetzt noch rund 87 Kilometer vom Nordpol entfernt. Wenn wir Glück haben, driften wir während der Nacht sogar noch etwas näher zum Pol. So wie letzte Nacht, wo wir im Zelt anderthalb Kilometer ‚gut gemacht’ haben!

Jost von Allmen per Satellitentelefon von 89°13’ Nord.

Nachtrag:
Ein Expeditionsteilnehmer musste leider die Reise heute abbrechen. Urs Düggelin wurde mit leichten Erfrierungen an den Händen und Füssen ausgeflogen. Sein Körper hatte von Beginn weg Mühe mit der extremen Kälte. Als dann erste Anzeichen von Erfrierungen auftraten, war klar, dass er evakuiert werden musste. Noch in der Nacht ist er via Nordpol-Basis Borneo nach Spitzbergen geflogen worden, wo er sich in ärztliche Behandlung begab. Dank der raschen Evakuierung konnten bleibende Schäden verhindert werden. Urs ist jetzt unterwegs zurück in die Schweiz. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

11.4.2007, Hans Ambühl, Expeditionsmanager, Interlaken


Unterwegs zum Pol

9. April 2007: 6 Stunden unterwegs


Am dritten Tag, Montag, 9. April 2007 geht es für die Gruppe darum, sich mit der täglichen Expeditionsroutine vertraut zu machen: Wasser schmelzen, Morgenessen, bereit machen für den Marsch, Camp abbrechen und in den Schlitten verstauen – und dann marschieren. Der Einstieg ist hart für die Novizen: die Minus 31 Grad und ein schneidend kalter Wind lassen die Marschpausen sehr kurz werden. Es ist angenehmer, in Bewegung zu bleiben, da man bei einer Rast trotz zusätzlicher Daunenjacke sehr schnell auskühlt. Das Eis ist gut. Solid, dick und relativ flach. Thomas Ulrich ist mit seiner Gruppe während 6 Stunden unterwegs und schafft 10 Kilometer.

Das eindrücklichste Erlebnis des Tages ist eine frische Press-Eis-Zone, wo sich zwei mächtige Eisplatten unter lautem Ächzen und Knirschen gegenseitig zerdrücken und zu kleinen Eistürmen aufstossen. Da das Ganze sehr langsam passiert, ist es nicht gefährlich eine solche Press-Eis-Zone zu passieren - aber eindrücklich ist es schon, die gewaltige Macht der Naturkräfte zu erleben. Sofort nach Ankunft am neuen Lagerplatz werden die Zelte aufgestellt. Das klappt beim zweiten Mal bereits wie am Schnürchen. Sobald die Zelte stehen, heisst es: nichts wie rein, die Bekleidung sauber ausbürsten, damit nicht mit Schnee Feuchtigkeit ins Zelt gebracht wird, und dann ab in den Schlafsack. Von dort aus kann man dann wieder den Kocher bedienen und Wasser schmelzen.


Harter Anfang bei minus 31°

8. April 2007: Flug zum Startpunkt


Am ersten Tag fliegt die Expeditionsgruppe über Koppenhagen nach Oslo und von dort weiter nach Spitzbergen, wo sie die erste Nacht verbringt. Am zweiten Tag, Ostersonntag, 8. April 2007 belädt jeder seinen Schlitten mit Proviant und Ausrüstung. Nach letzten Instruktionen und einem Material-Check durch Thomas Ulrich wird die Gruppe von einem russischen Kurzpisten-Jet in 2 ¼ Stunden auf die Nordpol-Basis Borneo geflogen. Diese wird jedes Jahr neu auf dem arktischen Eis errichtet und hat jeweils nur während dem April Bestand. Borneo liegt diese Jahr auf 89°35’45“Nord / 21° 19’50“ Ost, also deutlich näher beim Nordpol als üblicherweise.

Von Borneo aus werden die Abenteurer aus diesem Grund per Helikopter zum 89. Breitengrad zurückgeflogen (35 Minuten Flug), um von dort aus die Reise an den Nordpol zu Fuss, resp. auf Ski fort zu setzen. Thomas Ulrichs Gruppe wird bei garstigen Bedingungen – minus 30°C und eisiger Wind - erst um ca. 21.00 Uhr an ihrem Startpunkt abgesetzt und schlägt deshalb unmittelbar dort Ihr erstes Camp auf.


Abenteuer Nordpol 2007

7. April 2007: Abflug vom Flughafen Zürich


Am Morgen des 7. Aprils 2007, um 07.05 fliegt Thomas Ulrich in Zürich ab: sein Ziel der Nordpol. Ihn begleiten 6 Expeditionsteilnehmer – ein siebter, der Österreicher Siegfried Mahringer wird später in Oslo zu ihnen stossen – und ein zweiter Guide, der Fribourger Bergführer David Fasel.

Die erstmals von Thomas Ulrich organisierte Expedition ‚Abenteuer Nordpol’ dauert vom 7. bis 20. April und das Ziel der 9-köpfigen Gruppe ist die Bewältigung des letzten Breitengrades auf Ski. Ulrich rechnet, dass die Gruppe rund 7 Tage benötigen wird, um die ca. 120 Kilometer lange Strecke an den Pol zu marschieren.

Die Teilnehmer: Markus Büel (58, Zahnarzt aus Luzern), Urs Düggelin (63, Verleger, Sursee), Marcel Kaufmann (31, Logistiker, Horw), Daniel Kramer (48, Architekt/Unternehmer, Bern), André Lüthi (46, CEO Globetrotter, Bern), Siegfried Mahringer (45, Augenoptiker, Neuhofen, Österreich) und Jost von Allmen (43, Fotograf und Lehrer aus Unterseen).

Die Bilder


Klicken Sie ins Bild, um die Galerie zu sehen.